LeserInnenbrief zu Splitting (Fridolin 107)

Posted on 15.10.2004 by birger

Eingeschickt von einem/einer gewissen C.H.
Der Leserbrief gehoert zu Fridolin 107

grüß euch gott erst einmal,
leider weiß ich nicht genau, ob ihr leserbriefe überhaupt entgegen nehmt, sie euch interessieren oder sonst was, aber der artikel über splitting wirft für mich zwangsläufig eine diskussion auf, die ja vielleicht eventuell in ebendieser zeitschrift bzw. online auf der fsinf-hp weitergeführt werden könnte. der autor skunk meint hier etwa “Auch wenn die geschlechtergerechte Sprache nur ein kleiner Teil der
Thematik um Gleichberechtigung ist, glaube ich, dass damit mehr erreicht werden kann als mit anderen Methoden”.

ich hoffe, dass besagter skunk diesen brief zu lesen bekommt, da ich mich in weiterer folge an ihn
richten möchte: glaubst du das wirklich? wenn wir in zukunft für jedes mal wenn wir über studenten sprechen ‘studenten und studentinnen’ sagen ‘müssen’ (schon klar, dass keiner muss, aber wir alle wollen doch als moderne, aufgeschlossene menschen gelten, sind daher von der
gesellschaft ‘gezwungen’), wird sich unser allgemeines bild der geschlechterrollen verändern? menschen sind faul. das ist erwiesen. das gesamte streben nach technologie hat vor allem einen zweck: uns das leben / die arbeit zu erleichtern. damit wir bequemer werden können. wo also könnte sich diese faulheit stärker manifestieren als in der sprache? warum glaubst du, gibt es verschiedene dialekte? was macht
einen dialekt überhaupt aus? die verballhornung von worten. das weglassen von silben, der zusammenschluss erschiedener wörter zu einem einzigen, satzkonstruktionen, die grammatikalische wiederholungen einfach weglassen, um mit weniger worten einfach das gleiche zu sagen. was ich damit meine? statt ‘studentinnen und studenten’ wird jeder
normale (uuuh, fettnäpfchen, ich weiß schon) mensch einfach ‘studenten’ sagen. weil es kürzer ist. einfacher ist. schneller ist. und trotzdem eh klar ist, was gemeint ist.

genauso unangebracht finde ich die übertriebene unterscheidung der geschlechter, wenn der verfasser (leider
weiß ich nicht, ob es sich hierbei um eine dame oder einen herren handelt, da es sich um die informatiker-fachschaft handelt, gehe ich jedoch davon aus, dass die wahrscheinlichkeit, einen herren zu bezeichnen, recht hoch ist) des artikels ‘freiraum’ in derselben ausgabe von ‘menschen und menschinnen’ spricht. zum einen kann ich mir nicht vorstellen, dass sich eine dame finden wird, die sich von der bezeichnung ‘mensch’ diskriminiert fühlt und zum anderen kann man doch nicht vom grammatikalischen (!) geschlecht eines wortes auf das herabwürdigungspotenzial einer person (sollte ich mich beleidigt fühlen, weil das wort ‘die person’ grammatikalisch weiblich ist, mich als mann
jedoch auch bezeichnen kann?) gegenüber schließen, oder? das gibt doch keinen sinn.

und was soll eigentlich dieses ‘frau’ anstelle von ‘man’?
nicht, dass ich das hier zum ersten mal gelesen hätte, nein, nein. aber fällt denn niemandem auf, dass das wort ‘man’ sich vom (sicherlich nicht geschlechtsneutralen) wort ‘mann’ vor allem durch ein zweites n unterscheidet? leute, dieses wort klingt zufällig gleich, hat jedoch mit einer geschlechterspezifischen bedeutung nichts zu tun. es ist nicht so, als würde das unpersönliche (!) ‘man’ quasi als ‘variable’ für einen mann stehen. und wenn es so wäre, was würden wir dann machen? das wort frau auch einfach falsch schreiben? vrau? statt man? überhaupt, wenn wir grade so modern und aufgeschlossen in unserem sprechverhalten sind, warum schaffen wir dann nicht auch das negerbrot ab? den mohr im hemd? leute, ihr könnt die sprache nicht zwanghaft verändern wollen, das führt zu nichts. die leute reden, wie es ihnen passt. und passen tut es ihnen
kurz und bündig, jedoch informativ.

ich hoffe, dass mein standpunkt durchkommt und auch die tatsache, dass ich selbst ein starker verfechter der rechte der frau bin. gerade wenn es an soziale gleichberechtigung am arbeitsplatz oder in der familie geht, haben wir noch einen langen weg vor uns. diese selbstverständliche gleichberechtigung jedoch mit einer derart sinnlosen aktion wie dem splitting (grandioser name übrigens
dafür, dass männer und frauen besser MITEINANDER leben sollen, wirklich!) noch aufzufetten und schon ans lächerliche grenzen zu lassen, ist einfach unverantwortlich und dumm. zu meinen, dass wir durch eine unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen (und allein das ist lächerlich, es tut mir leid, denn es handelt sich hierbei um ein grammatikalisches geschlecht, eine situation, die im englischen zum beispiel einfach absurd wäre) worten einen schritt in richtung gleichberechtigung gingen, ist schlicht und einfach falsch.

viel mehr würden wir (männer und frauen jetzt) einen schritt weiter auseinander machen, weil wir so sogar getrennte worte hätten. pfuh, das alles war jetzt nicht einfach zu erklären, ohne als unverbesserlicher sexist da zu
stehen, dennoch hoffe ich, dies erreicht zu haben. das alles hier hat nichts mit political correctness zu tun, hier geht es um die sinnhaftigkeit einer künstlich geschaffenen unterscheidung in der deutschen sprache. mehr nicht. wenn wir geschlechterneutral sprechen wollen, dann müssen wir aufhören, die grammatikalischen geschlechter von
worten mit den anatomischen geschlechtern von menschen zu verwechseln. oder diese ganz abschaffen. so. das sollte jetzt genügen. wie gesagt, ich bin gerne bereit, diese diskussion in welcher form auch immer weiterzuführen, und mich auch von anderen meinungen überzeugen zu
lassen.

in diesem sinne
ganz herzliche und selbstverständlich gänzlich geschlechtsgerechte grüße
hello