Bericht über die letzte Studienkommissions-Sitzung

Posted on 26.10.2009 by mati

Vieles der Arbeit der Fachschaft Informatik findet im Verborgenen statt. Zu dieser Arbeit gehören - manchmal auch hitzige - Diskussionen in der Studienkommission. Was sich in der letzten Sitzung der Studienkommission zugetragen hat, können wir aber nicht mehr guten Gewissens so stehen lassen. Die Geschehnisse in der letzten Studienkommission haben unser aller Situation und das Ansehen der Fakultät für Informatik innerhalb der TU massiv verschlechtert. Motiv dahinter war der kurzfristige Profit einiger weniger ProfessorInnen, die sich für eine Elite halten und einen Macht- und Prestigegewinn erhoffen.

Vorgeschichte

Bereits 2001 wurden in der Informatik Studien nach dem Bachelor/Master System eingeführt. Die Informatik war damit eine der ersten Studienrichtungen, die Teile des Bologna-Prozess implementierte. Zwei Jahre später wurden auch die ersten Lehrveranstaltungen für die Masterlehrveranstaltungen abgehalten. Bereits im Sommersemester 2004, also bei der /ersten/ Abhaltung der Lehrveranstaltung “Verteilte Algorithmen”, gehalten von Ulrich Schmid, ist es zu massiven Problemen gekommen. Da die LVA nur ein “Prototyp” war, wurden nur 20 Personen zu dem Kurs zugelassen. Beim Aufnahmetest wurde unter anderem die Durchschnittsnote aus dem Bachelorstudium abgefragt, obwohl Schmids Antrag in der Studienkommission, Zugangsbeschränkungen zu seinen Lehrveranstaltungen basierend auf den bisherigen Leistungen im Studium zu erlassen, bereits abgelehnt wurde (Eine solche Regelung widerspricht übrigens damals wie heute den gesetzlichen Grundlagen)

Trotz immer wiederkehrender Proteste unsererseits und Interventionen von Seiten des Studiendekans wurde der Modus der LVA nie wesentlich verändert. Zwar wird heute versprochen, dass der Kurs ein zweites Mal angeboten wird, sollten mehr als 18 Teilnehmer den Aufnahmetest bestehen, im letzten Semester haben aber, wie durch ein Wunder, weniger als 18 der rund 40 Bewerber den Aufnahmetest geschafft. Angeblich scheitern die Studierenden an einem Mathematik-Test auf Matura-Niveau, unmittelbar nachdem sie Höhere Mathematik absolviert haben. Noch immer wird übrigens rechtswidrig nach der Bachelor-Durchschnittsnote gefragt, obwohl das angeblich bei dem Test ohnehin keine Relevanz hat.

Nach jahrelangen Bemühungen aller Beteiligten außer Schmid selbst die LVA endlich gesetzeskonform abzuhalten, wurde schließlich die LVA auf die Tagesordnung der Studienkommission gesetzt. Das Ziel war es, endlich eine gütliche Einigung aller Beteiligten zu erreichen.

Vorfeld der Sitzung

Anstatt eine sachliche Diskussion anzustreben, wurde es aber bereits im Vorfeld der Sitzung immer seltsamer. Zunächst lud Schmid (ausschließlich) die ordentlichen ProfessorInnen zusätzlich zur Studienkommission ein. Darin wurden Gernot Salzer (Vorsitz Studienkommission) als auch Rudi Freund (Studiendekan) als “Hüter der Studierbarkeit” verunglimpft. Schmid schrieb, er hätte für die Fakultät allgemein wichtiges zu sagen, und lade daher alle zur Studienkommission ein. Er werde auch einige Absolventen seiner LVA mitnehmen, die bestätigen würden, dass seine LVA ganz großartig wäre.

Ulrich Schmid brüskierte aber auch die Studienkommission und die Fakultät als ganzes, indem er auch den Vizerektor für Lehre, Adalbert Prechtl, einlud. Prechtl ist, auch nach Meinung von Schmid selbst, eine “Kolossale Fehlbesetzung”. Prechtl ist der Meinung, alle Studienrichtungen dürften nur noch ein einziges, “Grundlagen-orientiertes” Bachelorstudium anbieten. Bereits kurz nach seinem Antritt machte Prechtl uns gegenüber offen klar, dass er diesen Ansatz auch ohne Unterstützung der Fakultäten nach Möglichkeit durchsetzen werde.

Prechtl, dessen erklärtes Ziel es ist, verschiedene Studien-Richtungen (auch z.B. Architektur) ohne fachlichen Bezug mit eiserner Hand umzukrempeln, in die Studienkommission für Informatik einzuladen, ist eine Katastrophe. Prechtls “Reformvorhaben” würde auch die Technische Informatik massiv schwächen. Eine kurze Aufmerksamkeitssteigerung für Schmids eigene illegal abgehaltene Lehrveranstaltung für einen derart hohen Preis ist eine unentschuldbare Verfehlung.

Die Studienkommission als ganzes wurde nur wenige Tage vor der Sitzung brüskiert, in dem die Sitzung von Schmid selbst (obwohl das nicht seine Aufgabe ist) von einem Seminar-Raum in den Zemanek-Hörsaal verschoben wurde. Von der Verschiebung wurden wiederum nur die ordentlichen ProfessorInnen und Vizerektor Prechtl informiert.

Studienkommission

Mit 15 Minuten Verspätung tauchten am 16.9.2009 tatsächlich Ulrich Schmid und einige AbsolventInnen seiner Lehrveranstaltung auf. Darüber, wie viele von diesen noch Lehrveranstaltungen von Schmid brauchen oder gar bei ihm angestellt sind, lassen sich nur Vermutungen anstellen. Schmid hielt, wie angekündigt einen Vortrag. Nach kurzem machte Schmid klar, dass er mindestens eine Stunde für seinen Vortrag in Anspruch nehmen würde, obwohl die ganze Sitzung nur für zwei Stunden anberaumt war.

Bereits innerhalb der ersten 10 Minuten wäre die Situation beinahe eskaliert. Schmid zitierte ungefragt E-Mails von Gernot Salzer und anderen. Schmid stilisierte in seinem Vortrag die Angelegenheit zu einem Kampf zwischen seinem, “international anerkannten”, und dem “SF-Niveau”. “SF” steht nach Schmid für “Studi-freundlich oder, wenn man so will, Salzer-Freund”. Schmid verunglimpfte also die engagiertesten Personen in der Lehre, und das vor Prechtl, der nur darauf wartet, Angriffspunkte gegen unsere Fakultät zu finden.

Schmid analysierte anschließend, warum seine 4.5 ECTS Lehrveranstaltung, die einer Umfrage unter den Absolventen nach rund 30 ECTS realen Aufwand hat, im internationalen Vergleich (es sei an dieser Stelle angemerkt, dass Schmid selbst eine Hausberufung ist und keinerlei internationale Erfahrung hat) eigentlich sogar noch recht einfach wäre. Die wissenschaftliche Methode, dabei nur ausgewählte Universitäten mit einem hundertfachen an Budget und Personal mit der TU Wien zu vergleichen, disqualifiziert Schmid als Wissenschaftler dabei endgültig. Der einzige, der diese offenkundige Unkundigkeit wissenschaftlicher Methoden nicht erkennen wollte, war natürlich Vizerektor Prechtl.

Insgesamt lässt sich dabei Schmids Rede als angst- (“Meine LVA soll hingerichtet werden”) und hasserfüllt beschreiben. Wiederholt wurde der Grundsatz “Wenn sich die Studierenden beschweren, mache ich etwas richtig” zum Motto erhoben. Mehrmals verunglimpfte er alle Informatikstudien kollektiv als “Mickymaus-Studien”. Müssen wir noch einmal wiederholen, dass der von Schmid eingeladene Prechtl nur etwas sucht, um in der Informatik “Ordnung” zu machen?

Diskussion

Anschließend kam es nun zur Diskussion zwischen einigen der anwesenden Lehrenden, Prechtl und uns. Wegen der zahllosen Verunglimpfungen war die Stimmung äußerst gespannt, die Lage konnte von Gerald Steinhardt gerade noch beruhigt werden. In weiterer Folge trat vor allem der rechtswidrige Charakter der Lehrveranstaltung in den Hintergrund, diskutiert wurde vor allem der viel zu hohe Aufwand.

Die Diskussion wurde zwar ruhiger, aber nicht weniger obskur. Die von Schmid mitgebrachten StudentInnen attestierten Schmid einiges an Mühe (die wir ihm auch nicht absprechen). Aber auch sie bestätigten, dass maximal zwei solcher Lehrveranstaltungen in einem Semester absolviert werden können. Der Aufwand der Lehrveranstaltung ist selbst dann noch mit 15 ECTS zu bewerten.

In der anschließenden geschlossenen Sitzung wurde dann noch weiter über Lösungsmöglichkeiten diskutiert, Schmid selber verhinderte aber jede Lösung. So behauptete er etwa, dass er als einziger fachlich in der Lage sei, die LVA anzubieten. Eine Behauptung, die auch in der ProfessorInnen-Kurie schmunzeln verursachte. Schmid leugnete wiederholt, dass sein Aufnahme-Test dazu da wäre StudentInnen vor zu selektieren, obwohl noch nie mehr als 18 Studierende diesen Test positiv absolvierten.

Schlussendlich wurde die Sitzung vertagt. Insgesamt gab es also vier Stunden Sitzung ohne jegliches Ergebnis. Erreicht wurde primär, dass die Fakultät für Informatik als Ganzes lächerlich gemacht wurde, und das vor einem Vizerektor für Lehre, der die Informatik als “unwissenschaftlich” betrachtet.